Lingy-Hop & Swing

Speakeasy - Die Flüsterkneipen der 20er Jahre

Die goldenen 20er Jahre waren eine Zeit des Aufschwungs. Weltweit erholte sich die Wirtschaft und es fanden große, gesellschaftliche Veränderungen statt. Nach Aufhebung des absoluten Tanzverbotes, strömten die Massen hinaus und machten die Straßen und Gehwege zu einem einzigen Dancefloor.Nein, die Rede ist nicht von Footlose. Tatsächlich geschah dies in Berlin. Als dort 1919 verkündet wurde, dass wieder getanzt werden darf, ließen die Menschen sich das nicht zwei Mal sagen: "Noch nie ist in Berlin so viel, so rasend getanzt worden", so das Berliner Tagblatt am 1. Januar 1919. Kein Wunder also, dass die goldenen 20er Tänze wie den Charleston, Shimmy, Lindy Pop oder Black Bottom hervorbrachten. Doch die Freiheit auf dem Parkett erstreckte sich nicht in alle Ebenen des Lebens. Die goldenen 20er waren nämlich auch die trockenen 20er.

Speakeasy - Die Flüsterkneipen der 20er Jahre
Bild: Speakeasy - Die Flüsterkneipen der 20er Jahre

Das ehrenhafte Experiment

Die Prohibition wurde 1920 in den USA durchgesetzt. Ihren Ursprung fand sie in Europa, wo der Konsum von Alkohol beizeiten als Ausdruck mangelnder Tugendhaftigkeit galt. Als die Enthaltungsbewegung ihren Weg in die Vereinigten Staaten fand, sorgten sogenannte Abstinenzvereine dafür, dass die Politik ihre Interessen durchsetzte. Mit Erfolg.
Unter dem Banner "Das ehrenhafte Experiment" ("The noble Experiment") wurde die Herstellung, der Transport und der Verkauf von Alkohol in den meisten Bundesstaaten verboten. Das Tabu galt nicht nur für Hochprozentigen, sondern auch für Bier und Wein. Anfang des 20. Jahrhunderts galt die Prohibition als wichtigste soziale Bewegung in Europa und den USA.

Das so noble Experiment, zog aber leider nicht so noble Folgen auf sich.

Cosa Nostra, Kosher Nostra, ist noch Wein da?

Entgegen aller Behauptungen von Politikern und Anstands-Wauwaus, haben Verbote nicht unbedingt den Effekt, den sie haben sollen. Die Prohibition war da keine Ausnahme. Im Gegenteil sogar. Das Verbot alkoholischer Getränke führte zu einem Anstieg organisierter Kriminalität, denn die Nachfrage war nach wie vor groß. So nahmen sich diverse Mafioso und Gangster-Banden des illegalen Schmuggels und Handels mit dem "Teufelszeug" an.

Nicht nur, dass verschiedene Mafia-Organisationen und Banden sich des illegalen Alkoholvertriebs annahmen, nein, das Verbot führte sogar dazu, dass sie ihre Streitigkeiten ablegten und ein Bündnis gründeten. Schließlich war es lukrativer, das Geschäft zu teilen, anstatt in regelmäßigen, blutigen Auseinandersetzungen, hohe Verluste zu erzielen.
Die Big Seven, auch bekannt als Seven Group oder Combine, waren ein Zusammenschluss aus sieben Italienischen, Jüdischen und Irisch-Amerikanischen Banden, wie, unter Anderem, der Cosa Nostra, der Kosher Nostra, oder dem Bugs and Meyer Mob.

Zwischen 1919 und 1931 versorgte das Alkohol-Kartell die gesamte Ostküste der USA mit Alkohol, wohl am präsentesten waren sie in New York City.

Dort war es auch, wo sich viele der Speakeasy Bars etablierten.

Speakeasy - Feiern aber leise

Das Verbot der Herstellung, des Transportes und Handels mit Alkohol, hielt die organisierte Kriminalität nicht davon ab, ihn dennoch unter die Leute zu bringen. Doch konnten die Big Seven ihn nicht auf offener Straße verkaufen. Supermärkte wurden regelmäßig von der Polizei kontrolliert und Lieferungen an Einzelpersonen wären eine logistische Katastrophe gewesen. Und ohnehin, wer trinkt schon gern allein?

Dies führte letztendlich dazu, dass sich überall im Land sogenannte Speakeasy Bars etablierten. Häufig sieht man in alten Hollywood- oder Gangster-Streifen, wie eine zwielichtige Gestalt eine dunkle Kellertreppe hinuntergeht. Ein kleines Fenster geht auf und der Mann auf der anderen Seite fragt mit rauer Stimme nach dem Passwort. Wird ihm dieses gegeben, öffnet sich die Tür zu einer Welt, in der der Alkohol frei fließt. Und so fern ab der Wahrheit ist das nicht.

Auch illegales Trinken will seinen Regeln folgen

Mehr als 30.000 illegale Speakeasy Bars zählte man zum Ende der Prohibition. Die, zu Deutsch, Flüsterkneipen hießen so, weil dort tatsächlich sehr leise geredet werden musste. Schließlich sollten Passanten, Einwohner und vor allem die Polizei nichts von der heimlichen Feierei mitbekommen. Um die Speakeasy Bars weiterhin zu schützen und vor einer Entdeckung durch den Staat zu bewahren, war der Einlass streng reguliert. Zugang wurde nur Mitgliedern oder denen, die durch sie empfohlen wurden, gewährt. In vielen Etablissements wurde an der Tür ein Passwort verlangt.

War man dann drin, floss meistens Whiskey und andere hochprozentige Getränke. Grund dafür war, dass man weniger Whiskey braucht, um die Gäste auf einen bestimmten Pegel zu bringen, als zum Beispiel Wein oder Bier. Dementsprechend muss man auch weniger Flaschen durch die Stadt transportieren, was trotz Polizeibestechung noch heikel war.
Heikel war auch der Alkohol selbst. Richtigen Alkohol einzuführen war oft nicht möglich oder einfach zu teuer und so brauten viele Banden ihn im eigenen Keller. Das Resultat war, dass der Whiskey oder Wodka oft Fuselöle enthielt, die zur Alkoholvergiftung führen konnten. Oder aber er wurde verdünnt, um den schlechten Geschmack zu kaschieren, zum Beispiel mit Eis. Witzigerweise entstand so der heute beliebte Whiskey on the Rocks, der bei Whiskey Liebhabern verpönt ist.

Goodbye Prohibition - Goodbye Speakeasy?

Die Speakeasy Bars waren - so machtvoll ihre Betreiber auch waren - stetiger Gefahr ausgesetzt. Razzien konnten jedoch meist verhindert werden, indem man die Polizei bestach. Die dadurch entstandene Korruption ließ Gangster wie Al Capone jahrelang unberührt, da seine Mitstreiter die Polizei und oft auch Mitglieder der Justiz kontrollierten. Das Ende der Prohibition, ließ solche Korruption allerdings überflüssig werden. 1933 wurde Alkohol wieder für legal erklärt, was nicht nur die Polizisten (erstmal) von der Gehaltsliste der Mafioso entfernte, sondern auch zur Verfolgung vieler Banden und Gangster führte. Die, die der Strafverfolgung entkommen konnten, suchten sich neue "Geschäftsfelder", etwa im Bereich anderer illegaler Drogen, wie Cannabis.

Bar Becketts Kopf, Berlin - von thejab

Das Ende der Prohibition war allerdings noch lange nicht das Ende der Speakeasys. Nicht nur in New York City kann man das Flair der damaligen Zeit noch erleben. Auch in anderen Städten der USA und sogar in einigen deutschen Städten, können Gäste an passwort-geschützte Türen klopfen. Geflüstert werden, muss in diesen Speakeasy Bars aber nicht:

  • Bar Becketts Kopf, Berlin. Erlebe die verruchte Atmosphäre der 20er Jahre bei Cocktails, Zigarren und Rotlicht.
  • PTD, New York City. Eine wahre Speakeasy, denn leicht zu finden ist sie nicht. Auch die Nummer, unter der man reserviert wechselt angeblich täglich.
  • Lavomatic, Paris. In diese Speakeasy kommt nur, wer zuerst durch eine Waschtrommel klettert.

Fotos:
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Letzte Änderung: 29.11.2018

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